Russland sieht Bedarf für eine „Gas-OPEC“

Die Lage auf dem internationalen Markt für Erdgas ist chaotisch. Russland will mit einer „Gas-OPEC“ hier Ordnung schaffen.

Von Redaktion

Russland prüft die Möglichkeit der Einführung einer „Gas-OPEC“, berichtet Vedomosti. Der stellvertretende russische Energieminister Anatoly Yankovsky erwähnte diese Aussicht Anfang Juni, während Energieminister Alexander Novak letzte Woche erklärte, dass die Schaffung eines Koordinierungsgremiums, welches die Regulierung des Volumens der Gasverkäufe und -preise durchfühen könnte, „in letzter Zeit aktiv diskutiert wurde.“ Der Energiechef betonte, dass der Hauptgrund für das Chaos auf dem globalen Gasmarkt das Fehlen einer Regulierungsbehörde sei.

Nikita Maslennikov, ein führender Experte des Instituts für zeitgenössische Entwicklung, sagte gegenüber Vedomosti, dass die Situation auf dem globalen Gasmarkt noch schlimmer sei als derzeit mit Öl. Der Preisverfall sei stärker, betonte er und fügte hinzu, dass in Europa, Russland und im asiatisch-pazifischen Raum Destabilisierung und ein mangelndes Gleichgewicht festgestellt worden seien.

Der starke Wettbewerb zwischen Pipeline-Gas und LNG ist ebenfalls ein schwerwiegender Faktor für den Markt. Die USA, Katar und Australien exportieren billiges LNG nach Europa und Asien, was zu einem Rückgang der Nachfrage nach Pipeline-Gas (hauptsächlich aus Russland) und gleichzeitig zu einem Preisverfall führt.

„Die globale Gasindustrie ist mit denselben Problemen konfrontiert wie die Ölindustrie, wie Überangebot, verstärkter Wettbewerb und Preisverfall. Deshalb braucht der Markt eine Regulierungsbehörde, um chaotische Preise zu vermeiden. Dies ist offensichtlich. Eine andere Frage ist, ob es erscheinen wird“, sagte Artyom Deyev, Leiter der AMarkets-Analyseabteilung, gegenüber Vedomosti.

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Die Schaffung eines Gasregulierers wird viel schwieriger sein als die Einrichtung der OPEC, sagte Dmitry Aleksandrov, Leiter der analytischen Forschungsabteilung von Univer. Er sagte Vedomosti, dass die Gasproduzenten viel mehr gespalten sind als die Mitglieder der OPEC.

Mamdouh Salama, Professor für Wirtschaft und Energie an der ESCP Business School, ist zuversichtlich, dass der Streit zwischen den Gasproduzenten noch lange anhalten wird. Am Ende werden sie jedoch erkennen, dass nur die Zusammenarbeit zu stabilen Preisen sowohl für LNG als auch für Pipeline-Gas führen kann, betonte der Experte und fügte hinzu, dass dies allen zugute kommen wird. Es scheint also, dass Russland dies als erstes erkannt hat.

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Der Artikel erschien zuerst im Contra Magazin

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