VISA sperrt den Zahlungsverkehr für deutsche Online Casinos

In den letzten Monaten verdichteten sich die Gerüchte, und letzte Woche war es dann soweit. Das US-amerikanische Kartenunternehmen VISA entschied sich dafür, den Zahlungsverkehr für deutsche Online-Casinos und deren Kunden ab sofort gänzlich zu untersagen.

Das waren natürlich betrübliche Nachrichten für die gesamte deutsche Online-Casino-Community, denen immer mehr rauer Wind entgegen weht.

VISA wies alle in ihrem Verbund befindlichen Banken und Zahlungspartner an, alle Online-Casino-Transaktionen per sofort einzustellen und diese zu unterbinden. Das hat nun direkt für alle Unternehmen, die VISA als Zahlungsmethode auf ihren deutschen Webseiten integriert haben, zur Folge, dass sie diese Transaktionsmöglichkeit sofort von ihrer betreffenden Webseiten entfernen müssen. Bei Missachtung dieser Vorgabe besteht für diese zumeist international agierenden Casinos die Gefahr, dass sie ihre weltweiten gültigen Verträge mit der Kreditkartenfirma brechen und sie dadurch diese Kreditkartentransaktionen dann auch nicht mehr in allen anderen Märkten einsetzen dürfen.

Und es gilt als sicher, dass Mastercard, der andere große Kreditkartenanbieter, bald mit den gleichen Maßnahmen nachziehen wird. Bereits heute haben ein einige Spieler Probleme bei der Ein- und Auszahlung mittels dieser Bezahlfunktion gemeldet.

Ein heißes Pflaster für Online-Casinos

Nachdem die deutsche Glücksspielregulierungsbehörde in der letzten Woche der europäischen Kommission die neue Bundesglücksspielverordnung vorleget hat, die u.a. auch strengere Vorschriften für den deutschen Glücksspielmarkt beinhaltet, war dieser Schritt von VISA ein erster Warnschuss für die deutschen Glücksspielanbieter.

Dieser neueste Vertragsentwurf, der noch in Brüssel ratifiziert werden muss, verschärft alle Echtgeld-Transaktionen in den meisten Online-Casinos Deutschlands, und selbst diejenigen, die sich noch auf legale Lizenzen berufen können – wie jene aus Schleswig-Holstein – werden bedeutend strengere Auflagen für deren Finanzgebarungen, vor allem für die maximalen Einsätze, auferlegt bekommen. Zusätzlich ist in diesem Gesetz ein komplettes Verbot des Affiliates-Marketings vorgesehen.

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Aus naheliegenden Eigeninteressen ist das US-amerikanische Kreditkartenunternehmen bestrebt, nicht mit den deutschen Behörden in Konflikt zu geraten und VISA hat selbst, im Vergleich mit anderen Bezahlfunktionen, erst relativ spät auf die deutschen Vorgaben mit einem Rückzug aus den Online-Casino Markt reagiert. Denn bereits im Juni 2019 wurde u.a. PayPal von der deutschen Bundesregierung aufgefordert, sämtliche Tätigkeiten im Bereich der IGaming-Transaktionen in der deutschen Online-Glücksspielbranche einzustellen. Daraufhin stellte PayPal alle deutschen Zahlungen an Offshore-Casinos ein.

Dieser weitere Einschnitt in die Zahlungsmöglichkeiten innerhalb Europas droht zu einem immer gefährlich werdenden Minenfeld für die Online-Casino-Betreiber zu werden. Denn einige – nicht unbedeutende Länder – haben seit Beginn dieses Jahres zusätzliche einschränkende Gesetze zum Spielerschutz erlassen. In Großbritannien wurde zu Beginn dieses Jahres gegen die ausufernden Einsatzhöhen vorgegangen und auch gleichzeitig ein Kreditkarten Ein- und Auszahlungsverbot für Internet-Glücksspielseiten erlassen. In Skandinavien zog Schweden mit einem ähnlichen Ansatz nach und verabschiedete restriktive Glücksspielgesetze. Dessen Nachbar Norwegen ging gleich noch einen Schritt weiter und verbot die Online-Glücksspielwerbung vollständig. In Italien sind seit diesem Jahr Werbebeschränkungen und eine höhere Besteuerung für das Online-Glücksspiel von Gesetz her gültig.

Richtige Entscheidungen?

Natürlich kommen sehr schnell Zweifel an der Sinnhaftigkeit solcher Entscheidungen auf, denn einerseits werden sich die Spieler zukünftig an alternativen Zahlungsmethoden schadlos halten, obwohl die herkömmlichen Kreditkartenanbieter als Zahlungsmethode schon seit jeher beliebt waren. Und andererseits wird durch diese Einschränkungen der Trend hin zum Kryptowährungs-Casino immer beliebter werden, denn deren Benutzer werden die Geldtransaktionen nur mehr über digitale Währungen durchführen werden. Bitcoin & Co werden sich über diese Tatsache freuen.

Aber schlussendlich könnte es auch großen Widerstand von Seiten der großen Casinobetreiber und Buchmacher, die von schweren finanziellen Verlusten bedroht werden, gegen dieses neue angekündigte Gesetzt geben. Denn sie berufen sich – zu Recht oder zu Unrecht wird zu erstreiten sein – auf eine frühere Erklärung des Europäischen Rates, wonach diese Überarbeitung der deutschen Online-Wetten-Gesetzgebung „nicht durchführbar“ sei, denn diese stehe in krasser Unvereinbarkeit mit der europäischen Rechtsprechung. Bereits kürzlich hat ein österreichischer Buchmacher vor Gericht gegen die neuen Gesetzesvorhaben geklagt.

In jedem Fall ist das Verbot von VISA-Zahlungen für die europäische Online-Casino-Branche sehr problematisch, denn wenn dieser Bann aufrecht bleibt, so würden die betroffenen Firmen – in einem der finanzkräftigsten Länder Europas – den riesigen Kundenstamm, der über diese Kreditkartenunternehmen zustande gekommen sind, mit einem Schlag verlieren. Und wenn die Sportwetten und Online-Glücksspielbranchen noch mehr solche Tiefschläge hinnehmen werden müssen, so werden sie neue Wege finden müssen, um auch zukünftig nicht nur zu überleben, sondern sich auch im Angebot und in der verwendeten Technologie weiterzuentwickeln zu können.

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Der Artikel erschien zuerst im Contra Magazin

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