Eurokrise 2.0 in Anmarsch

Die Eurozone sieht sich angesichts der von der Politik verursachten Coronakrise mit einer neuen Eurokrise konfrontiert. Kollabiert der Euro nun, oder schaffen die Eurokraten erneut die Rettung?

Von Marco Maier

Schon von Anfang an war es den kritischen Beobachtern klar, dass der Euro eine Fehlkonstruktion ist. Mehrere Volkswirtschaften mit unterschiedlichen Traditionen beim Umgang mit dem „Fiat-Geld“, verschiedenen Wirtschafts- und Finanzstrukturen und dergleichen in einen Topf zu werfen, war keine gute Idee.

Das hat sich auch während der Wirtschafts- und Finanzkrise ab 2008 gezeigt, die zwischen 2010 und 2012 eine Staatsschuldenkrise entfachte. Insbesondere die „PIIGS“-Länder (Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien) standen damals im Fokus. Bis heute sind die Altlasten noch nicht wirklich verdaut, die Schuldenquoten in vielen Ländern nach wie vor sehr hoch und die Banken weit von einer Konsolidierung entfernt.

Mit der nun infolge der Lockdowns entfachten Coronakrise zur Eindämmung von Covid-19 wurden die europäischen Volkswirtschaften erneut hart getroffen. Dies zeigen auch die von der EU-Kommission veröffentlichten Prognosen zu den erwarteten Auswirkungen der Eindämmungsmaßnahmen auf die einzelnen Volkswirtschaften. Wobei diese Schätzungen noch relativ konservativ sind und es wahrscheinlich zu deutlich höheren Einbußen bei der Wirtschaftsleistung kommen wird.

Infographic: COVID-19 Wreaks Economic Havoc Across Europe | Statista Sie finden mehr Infografiken bei Statista

Loading…

Der ökonomische Kollaps, die ganzen Finanzhilfen für Unternehmen und Bürger, sowie die wegbrechenden Steuereinnahmen lassen jedoch auch die Staatsschulden explodieren. Während sich stabilere Länder wie Deutschland, Österreich, die Niederlande oder Finnland eher weniger Sorgen deshalb machen müssen, sieht es für die „üblichen Problemkandidaten“ wie Italien, Griechenland oder Spanien deutlich anders aus.

Für die Eurozone heißt dies: es kommt zu deutlich massiveren Spannungen als ohnehin schon. War schon die Reaktion auf die Staatsschuldenkrise mit ESM, Anleihekäufen durch die EZB, der Bailout der privaten Gläubiger Griechenlands durch die öffentlichen Gläubiger EU und IWF eine total vermurkste Aktion, weil man so vor allem die gierige Finanzindustrie vor dem Kollaps retten wollte, wird es im Zuge der jetzigen Krise nicht viel besser.

Die Südländer plus Frankreich fordern bereits umfangreiche „Hilfspakete“ und erneut erschallen Rufe nach Einführung von „Eurobonds“, um den strauchelnden Ländern zu helfen. Dies wird (noch) von den stärkeren Staaten (und dort vor allem von den konservativen, liberalen und rechten Parteien) abgelehnt, weil die Regierungen die Abstrafung durch die Wähler fürchten.

Dabei wissen sie selbst nur zu gut, dass von Anfang an klar war: ohne eine Solidargemeinschaft zu etablieren wird das Euro-System in Krisenfällen kollabieren. Doch dies wurde die ganze Zeit über verschwiegen, während man sich in andauernder Pro-Euro-Propaganda übte. Währungen die man allerdings andauernd „retten“ muss (wir sprechen hier vom zweiten Mal in den rund zwei Jahrzehnten Existenz des Euros), sind eigentlich keine vertrauenswürdigen Zahlungsmittel, oder?

Die Eurokrise 2.0 ist bereits da. Werden die Eurokraten die Gemeinschaftswährung nun erneut mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu retten versuchen, oder führt diese Krise zum endgültigen Zusammenbruch des Projekts?

Folgen Sie doch unserem Telegram-Kanal.

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading…

Der Artikel erschien zuerst beim: Contra Magazin

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.