US-Neuverschuldungsrekord: 4,4 Billionen Dollar

Die US-Regierung wird in diesem Fiskaljahr so viele Schulden aufnehmen müssen wie in den fünf Jahren zuvor zusammen. Raten Sie einmal, wer wohl der größte Käufer der Schuldtitel sein wird.

Von Marco Maier

Wie angesichts der globalen wirtschaftlichen Probleme zu erwarten war, wird die US-Schuldenorgie in diesem Jahr dramatisch eskalieren. Schon bestehende finanzielle Ungleichgewichte wurden infolge der Lockdown-Maßnahmen als Antwort auf die Ausbreitung des Coronavirus verstärkt und reißen nun noch größere Löcher in die öffentlichen Kassen.

Das Finanzministerium geht nun davon aus, dass der Nettobetrag der ausstehenden marktfähigen Staatsanleihen von April bis Juni um beispiellose 3 Billionen US-Dollar steigen wird, um die Billionen an Konjunktur- und Rettungszahlungen zu finanzieren.

Dies ist, was das Finanzministerium über seine jüngsten Kreditbedürfnisse sagte:

Für das Quartal von April bis Juni 2020 erwartet das Finanzministerium Kredite in Höhe von 2.999 Mrd. USD an privat gehaltenen marktfähigen Nettoschulden, wobei ein Barguthaben von Ende Juni von 800 Mrd. USD angenommen wird. Die Schätzung der Kreditaufnahme liegt um 3.055 Mrd. USD über der im Februar 2020 angekündigten.

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Nach Angaben des Finanzministeriums ist der Anstieg des Kreditbedarfs „auf die Auswirkungen des Covid-19-Ausbruchs zurückzuführen, einschließlich der Ausgaben für neue Rechtsvorschriften zur Unterstützung von Einzelpersonen und Unternehmen, Änderungen der Steuereinnahmen einschließlich der Stundung von Einzel- und Unternehmenssteuern von April bis Juni bis zum Juli und eine Erhöhung des angenommenen Kassenbestands Ende Juni.“

Aber warten Sie, es gibt noch mehr, denn mit Blick auf das nächste Quartal (Juli bis September) rechnet das Finanzministerium nun damit, weitere 677 Milliarden US-Dollar an privat gehaltenen marktfähigen Nettoverschuldungen aufzunehmen, vorausgesetzt, dass der Barguthaben Ende September 800 Milliarden US-Dollar beträgt.

Mit anderen Worten, das Finanzministerium wird in den sechs Monaten von April bis September einen Rekordbetrag von 3,7 Billionen US-Dollar ausleihen. Dies erklärt auch, warum die Fed, die in den letzten 6 Wochen bereits Wertpapiere im Wert von 2,5 Billionen US-Dollar gekauft hat, derzeit das Doppelte der gesamten Nettoemission von Staatsanleihen monetarisiert: weil sie sich auf genau diesen Fall vorbereitet.

Angebot und Nachfrage US-Staatsanleihen. Grafik: Deutsche Bank

Schließlich hat das Finanzministerium im ersten Kalenderquartal des Jahres, des Quartals, Schulden in Höhe von 477 Mrd. USD aufgenommen – das sind 110 Mrd. USD mehr als ursprünglich erwartet – und das Quartal mit einem Barguthaben von 515 Mrd. USD abgeschlossen

Zusammenfassend fasst Reuters‘ Jeoff Hall zusammen, dass die Kreditaufnahme von marktfähigen US-Schulden im Fiskaljahr 2020 auf dem Weg ist, 4,395 Mrd. USD zu erreichen, nach 1,280 Mrd. USD im Fiskaljahr 2019 oder 1,195 Mrd. USD im Fiskaljahr 2018. Es ist mehr als die letzten fünf Fiskaljahre zusammen und fast das 2,5-fache der bisherigen Rekordaufnahme der Kreditaufnahme für irgendein Fiskaljahr (Fiskaljahr 2009: 1,786 Mrd. USD).

US-Neuverschuldung nach Fiskaljahren. Grafik: Reuters

Wenn man davon ausgeht, dass die Fed wahrscheinlich den Großteil dieser neuen Schulden übernimmt, wird auch klar, in welche Richtung das Ganze gehen wird: die dauerhafte Staatsfinanzierung durch die Notenpresse.

Doch das ist laut diversen Ökonomen ein gefährliches Spiel, zumal so direkt Zentralbankgeld in die Wirtschaft gepumpt wird. Andere Ökonomen behaupten jedoch, dass die Auswirkungen eigentlich nicht schlimmer sind, als wenn private Investoren die Schuldtitel kaufen. Im ersten Fall handelt es sich um „frisches Geld“, im zweiten Fall um Gelder aus den Finanzmärkten, die jedoch ohnehin von der Realwirtschaft entkoppelt sind. So oder so fließt durch die staatliche Schuldenaufnahme zusätzliches Geld in die Realwirtschaft.

Allerdings verdeutlichen die ständig in den Himmel wachsenden Schuldenberge, dass das gesamte System kaputt ist. Und nicht nur das: wie lange kann ein dermaßen verschuldetes Land überhaupt noch das Vertrauen aufrecht erhalten, ein „guter Schuldner“ zu sein? Altschulden werden mit Neuschulden beglichen und dazu noch neue aufgenommen, was einem einfachen Bürger – zu recht – nicht möglich ist. Der Anfang vom Ende wurde nun eingeläutet.

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Der Artikel erschien zuerst im Contra Magazin

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