Taumelndes Finanzsystem: Die Manipulation zeigt Folgen

Das globale Finanzsystem taumelt der nächsten Katastrophe. Der Boom an den Börsen hat mit der realwirtschaftlichen Entwicklung nichts zu tun.

Betrachtet man die Entwicklung der globalen Finanzmärkte in den vergangenen zehn Jahren aus der Sicht der Mainstream-Medien, so könnte man meinen, die Welt sei in bester Ordnung. Die Zahlen und Fakten, mit denen sie ihre Einschätzung belegen, scheinen ihnen sogar Recht zu geben:

Seit der Krise von 2007/08 hat die Welt den längsten Börsenboom aller Zeiten erlebt, die Beschäftigungszahlen sind hoch, die Inflation ist niedrig und der Konsum ganz offenbar ungebrochen.

Trotzdem mehren sich zurzeit die Anzeichen, dass es im System brodelt. Daher lohnt es sich, die Angaben der Mainstream-Medien zu hinterfragen. Wer das tut, wird sich wundern, denn bei näherem Hinsehen erscheinen sie in einem ganz anderen Licht – und lassen vor allem nichts Gutes für die Zukunft erwarten.

So handelt es sich beim längsten Börsenboom in der Wirtschaftsgeschichte keinesfalls um ein Zeichen der Stärke des Systems, sondern eher um das Gegenteil: Der Boom ist nämlich mit der schwächsten Wirtschaftserholung aller Zeiten einhergegangen und wäre ohne die Manipulation durch die Zentralbanken nicht möglich gewesen.

Wären nicht Unmengen an Geld aus dem Nichts geschaffen und zu immer niedrigeren Zinsen an Großinvestoren vergeben worden, hätten diese das Geld nicht in die Finanzmärkte pumpen und so für das größte Missverhältnis sorgen können, das es jemals zwischen Realwirtschaft und Finanzsektor gegeben hat.

Dieses Missverhältnis aber zeigt jetzt seine Wirkung, denn die Welt rutscht seit Jahresanfang in eine Rezession, deren Auswirkungen nur durch genau die Maßnahmen gemildert werden könnten, die die Zentralbanken in den letzten zehn Jahren im Übermaß angewandt haben: Gelddrucken und Zinssenkungen.

Die EZB zum Beispiel hat zwischen März 2015 und Dezember 2018 mehr als drei Billionen Euro geschaffen und die Zinsen bis auf Null gedrückt. Um sich der Rezession entgegenzustemmen, müsste sie jetzt noch mehr Geld erzeugen und die Zinsen deutlich in den Minusbereich absenken. Das aber würde einerseits das Vertrauen in den Euro untergraben und andererseits das klassische Bankgeschäft, die Kreditvergabe, endgültig zerstören und die Banken so noch stärker in die Finanzspekulation treiben.

Aber selbst wenn die EZB aus purer Verzweiflung zu diesen Maßnahmen greifen würde – der gewünschte Effekt, nämlich das Abmildern der Rezession durch ein erneutes Wirtschaftswachstum, würde mit Sicherheit nicht eintreten. Eine Rezession geht nämlich mit einer Entlassungswelle einher, die die ohnehin stagnierende Massenkaufkraft weiter schwächt und so die Nachfrage und damit den Absatz von Industrieprodukten weiter sinken lässt.

Der einzige Effekt von Zinssenkung und /oder Gelddrucken durch die EZB wäre also ein weiteres Aufblähen der Finanzmärkte, ein noch größeres Ungleichgewicht im System und damit eine weitere Erhöhung der in ihm steckenden Risiken.

Noch auswegloser als die Situation der EZB erscheint momentan die Lage der US-Zentralbank FED. Sie verfügt zwar über etwas mehr Spielraum für eine Zinssenkung, hat aber ein anderes, viel größeres Problem: Wenn sie noch mehr Geld druckt und die Zinsen senkt, wird das einen weiteren Wertverlust des Dollars zur Folge haben, viele Anleger in andere Währungen oder in Festwerte treiben und die Stellung des Dollars als weltweit wichtigste Währung gefährden.

Ein Vorbote dieser drohenden Entwicklung könnte der Anstieg des Goldpreises in den vergangenen Wochen sein. Der Goldpreis ist der beste Gradmesser für den Wertverfall des Dollars, denn Gold – seit Jahrtausenden global anerkannte Universalwährung – besitzt einen realen, physischen Wert. Der Dollar wie auch alle anderen Währungen der Welt sind dagegen an keinen solchen Wert gebunden und leben einzig und allein vom Vertrauen der Menschen in ihre Kaufkraft.

Da dieses Vertrauen seit der Krise von 2007/08 erheblich gelitten hat, ist der Finanzindustrie gar nichts anderes übrig geblieben als den Goldpreis in den vergangenen zehn Jahren immer wieder kräftig nach unten zu drücken, was sie bis vor kurzem auch mit Erfolg getan hat.

Dass ihr das in den vergangenen Wochen immer weniger gelingt, kann strategisch beabsichtigt sein. Es kann aber genauso gut ein Zeichen dafür sein, dass die Finanzindustrie in Gestalt ihrer höchsten Vertreter – der Zentralbanken und der Wall Street – ganz langsam die Kontrolle über die globale Währungshoheit verliert.

Sollte das der Fall sein, dann wären wir in diesem Sommer in die Endphase des bestehenden dollardominierten Systems eingetreten.

Der Artikel von Ernst Wolff erschien zuerst bei KenFM.

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